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balsam

Bottrop hat Ausfallstraßen, die, man glaubt es kaum, direkt ins Grüne führen, höchstens alle 10 Minuten kommt einem mal ein Auto entgegen, meistens spätnachts, zu Beginn des Wochenendes, wenn sich das Ruhrgebiet vormacht, daß das Leben in seinen Zentren stattfindet. Öfter fuhr ich mit Freunden diese Strecke, um BALSAM, der Band um Alex Olk, beim Proben zuzuhören. Nicht, daß es mir an sinnvollem Zeitvertreib fehlt, aber jetzt, wo ich ernsthaft darüber nachdenke, wird mir klar, daß dies ein Ritual ist, gleich dem, alle paar Wochen zu einer Chris Cacavas LP zu greifen. Jenseits von Begriffen wie "Neo Folk" oder dem momentan so beliebten "Americana" ist es vielmehr eine bestimmte Sehnsucht, die einen umtreibt, wenn man eine Art von Songs sucht, die in ihrer unspektakulären Einfachheit kaum für die Hochglanz- Musikmagazine von Interesse zu sein scheinen.

Klar, Balsam sind nicht unbeeinflußt vom Krach der 90'er, auch in Bottrop hat man mit glasigen Augen Nirvana gehört und auf der Gitarre rumgeknüppelt, und das mit der gleichen Energie, mit der Alex heute seine selbstreflektiven, sentimentalen Songs schreibt.

Man spielte mit Cheralee Dillon und Bob Wiseman, die sich von Alex Songs beeindruckt zeigten, auf DKP-Festen (hey, das ist ja so cool wie Woody Guthrie...) und ein paar Gigs in Polen. Bottrop zu Besuch an seinen Wurzeln, sowas nennt man glaube ich Ironie.

Und wie läßt es sich so schön bei einer artverwandten deutschsprachigen Band zitieren:

Der Wind in Oklahoma ist der gleiche Wind
wie hier
nur er gehört nach Oklahoma.

Und dann sind da noch Sebastian und Andreas ( Bass/ Drums ), die den Wagen auf der Spur halten. Sebastian ist übrigens Ökologe und kann so interessant über Wald und Wiesen referieren als wären sie eine verlorene Freundin, dafür sollte man ihn extra buchen können.

Jetzt, wo der neue Proberaum keinen so lauten Krach mehr zuläßt, werden die Songs wahrscheinlich noch melancholischer und ich brauche nur 15 Minuten Fußweg durch den "Revierpark Vonderort", um mir meine Dosis abzuholen, und da nicht jeder von Euch dieses Privileg haben kann, hoffe ich, Ihr hört mal rein.


Mit besten Empfehlungen

Mario Weißenfels / Freund der Familie (.)
märz 2001